AbsolventInnen 2026 der Modefachschule Sigmaringen

Wenn Mode zu Kunst am Körper wird

Die diesjährigen AbsolventInnen der Modefachschule Sigmaringen verwandelten ihre Abschluss-Fashionshow in eine Kunstausstellung mit Performancecharakter. Das ungewöhnliche Spektakel lockte neben RepräsentantInnen bekannter Modelabels auch den niederländischen Talentscout und Nachhaltigkeitsexperten Simon Angel ins Textile Valley Baden-Württemberg.

Sigmaringen (kok). Kleidung, die sich in Töne, Skulpturen oder Architektur verwandelt. Eine Kollektion, die als Hommage an einen Land-Art-Künstler zur Performance über das Verhältnis von Mensch und Natur wird. Und immer wieder einzigartige Outfits, die zusammengenommen ein Gemälde ergeben oder ganze Geschichten erzählen. – Am vergangenen Wochenende feierte die Modefachschule Sigmaringen mit einer Fashionshow einmal mehr ihre AbsolventInnen, deren handwerkliches Können und vor allem ihren ganz eigenen modischen Ausdruck. Rund 600 Gäste, darunter RepräsentantInnen bekannter Modelabels und Firmen, waren am Freitag- und Samstagabend zu der in zwei Teilen gezeigten bewegten Laufsteg-Ausstellung unter dem Titel „kunstvoll“ ins Textile Valley Baden-Württembergs und in die Stadthalle Sigmaringen gekommen. Freitagvormittags hatten dort bereits insgesamt 45 AbsolventInnen ihre Abschlusszeugnisse als staatlich anerkannte ModedesignerInnen entgegengenommen. Davon konnten insgesamt 34 SchülerInnen von der Handwerkskammer Reutlingen außerdem auch als MaßschneidergesellInnen freigesprochen werden.

Neben den einzelnen Abschlussleistungen – darunter mehrere im sehr guten Bereich – begeisterten vor allem die modischen Ergebnisse der in der Regel dreijährigen Ausbildung und die sich darin zeigende Persönlichkeitsentwicklung jedes und jeder Einzelnen. „Ich bin beeindruckt von den unterschiedlichen Themen, Ebenen und Formen sowie von der nachhaltigen Umsetzung einiger Kollektionen“, kommentierte etwa der Niederländer Simon Angel die Show. Als Kurator des sogenannten „Sustainable Innovations Forums“ auf der internationalen Fachmesse „Munich Fabric Start“ fördert der Talentscout textile und modische Innovationen und NachwuchsdesignerInnen. Auch Projekten von SchülerInnen der Modefachschule Sigmaringen bietet der Textil- und Nachhaltigkeitsexperte auf der Munich Fabric Start immer wieder eine Plattform. Statt Fast Fashion auszuspucken, zelebrierten die gezeigten Arbeiten der NachwuchsdesignerInnen tatsächlich auch in der Sigmaringer Stadthalle vor allem den Blick für Handwerkskunst und Qualität, die Trends überdauern kann. 

Den Rahmen der Denkschubladen und der üblichen Sehgewohnheiten dürfte dabei der Nachwuchsmodedesigner Daniel Jilg gesprengt haben. Der Jahrgangsbeste (Note 1,0) zeigte unter dem Titel „Frei im Verborgenen“ eine von den Architektur- und Landschaftsverhüllungen des Künstlerpaars Christo und Jeanne-Claude inspirierte Kollektion. Deren vielseitigen Schnitte, Formen, Materialien und Verarbeitungstechniken spiegelten neben Wandlungsfähigkeit und Know-how vor allem Mut und eine breit gefächerte Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten von Mode wider. „Als schwuler Mann sind Mode und Make-up für mich nicht nur eine Form, meine Persönlichkeit nach außen zu tragen“, erklärt der Dreißigjährige seine Herangehensweise. „Mode ist auch ein Art Schutz-Hülle, in der ich mich wohl, stärker oder sicherer fühle und die mir als einer in vielen Bereichen nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechenden Person einen Freiraum bietet.“ So buchstabiert wird Mode tatsächlich zu einer Sprache, die Gesellschaft hinterfragt und zum Gesprächsstoff wird. Und das womöglich sogar über Sigmaringen hinaus. Die Modefachschule Sigmaringen gehört europaweit zu einer der wenigen Schulen, die noch dazu ausbildet, Mode sowohl zu entwerfen, als auch alle Fertigungsschritte zu beherrschen und bis hin zu den Zollformalitäten zu managen. In seinen verschiedenen Bildungsangeboten in den Bereichen Modedesign, Maßschneider, (Mode-)Management und Textil- und Bekleidungstechnologie (Letztere als Bachelor-Studiengänge in Kooperation mit der School of Management der Steinbeis Hochschule Berlin bzw. der Hochschule Albstadt-Sigmaringen) betont das dreijährige staatlich anerkannte Berufskolleg für Mode und Design handwerkliche Tradition, digitale Kompetenzen und die Stärkung individueller
Fähigkeiten.


Bildinformationen:
1) a) Insgesamt 45 AbsolventInnen der Modefachschule Sigmaringen dürfen sich nun „Staatlich geprüfteR ModedesignerIn“ nennen.
b) Insgesamt 34 wurden außerdem von der Handwerkskammer Reutlingen als MaßschneidergesellInnen losgesprochen.
© Fotos: Modefachschule Sigmaringen/Mirjam Schultheiß


2) a) Kleidung als Schutz und zugleich Freiraum des Individuums machte der Jahrgangsbeste Daniel Jilg zum Thema seiner Kollektion „Frei im Verborgenen“. Die aufwendigen Outfits, die unter anderem mit Schnürungen arbeiten, sind von den Architektur- und Landschaftsverhüllungen des Künstlerpaars Christo und Jeanne-Claude inspiriert.
b) Die Kollektion „Erdfaden“ von Jette Anna-Maria Laufer, eine Hommage an den Land-Art- Künstler, wurde zur Performance über das Verhältnis von Mensch und Natur.
c) Meghan Hailey Klug zeigte in „Echo der Narben“ nicht nur eine Vielzahl an detailliert ausgearbeiteten Looks, sondern vor allem eine sensible und intensive Auseinandersetzung mit dem Thema der Verletzlichkeit. 
© alle Fotos: Modefachschule Sigmaringen/Julia Brändle


3) Simon Angel, Talentscout und Kurator des sogenannten „Sustainable Innovations Forums“ auf der internationalen Fachmesse „Munich Fabric Start“, zeigte sich begeistert von der Fashionshow „kunstvoll“. Jutta Erb, Annette Hecht-Bauer und Anja Wanninger begleiteten als Lehrpersonen der Modefachschule Sigmaringen die AbsolventInnen im Designprozess und bei der Ausarbeitung sowie Vorbereitung der Show (v.l.n.r.).
© Foto: Modefachschule Sigmaringen/Nathalie Köslin

Abschlussklasse 3BK Modedesign
Maßschneider AbsolventInnen 2026
Abschlusskollektion Daniel Jilg
Aus der Abschlusskollektion Jette Laufer
Abschlusskollektion Meghan Klug
Kollegen mit Simon Angel