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DER BESONDERE ERZIEHUNGS- UND BILDUNGSAUFTRAG DES BERUFSKOLLEG
Ziele und allgemeine Anforderungen

Aufbauend auf einem mittleren Bildungsabschluss vermittelt das Berufskolleg eine berufliche Ausbildung und eine erweiterte allgemeine Bildung, insbesondere in Berufen mit höheren Anforderungen im fachtheoretischen Bereich. Dies trifft zu für Berufstätigkeiten, die von neuen technisch-wirtschaftlichen Entwicklungen besonders betroffen sind, z.B. in Labors, in der Fertigungstechnik und Konstruktion, in Wirtschaft und Verwaltung sowie für Tätigkeiten im hauswirtschaftlichen und sozialpflegerischen Bereich.

Das Berufskolleg hat die Aufgabe, jungen Menschen mit ausgeprägter Neigung und Aufgeschlossenheit für anspruchsvolle Berufe die der Arbeits- und Berufswelt sowie der modernen Technik und Wirtschaft innewohnenden Bildungswerte zu erschließen und begreifbar zu machen. Neben der Vermittlung fachtheoretischer Kenntnisse und fachpraktischer Fertigkeiten und der Befähigung, berufliche Aufgaben theoretisch zu durchdringen und selbständig zu lösen, werden die Schülerinnen und Schüler zu tieferen, über die besonderen Anforderungen des Berufs hinausgehenden Einsichten und zu einer umfassenderen Sichtweise von Zusammenhängen der Arbeitswelt geführt. Die Beschäftigung mit berufsbildenden Inhalten fördert bei den Schülerinnen und Schülern die Fähigkeit zu praktischem Denken, das in der erweiterten fachtheoretischen Bildung bis zu abstrakt logischem Denkvermögen geführt wird.

Ein wesentliches Merkmal des Berufskollegs ist der enge Theorie-Praxis-Bezug. Die praktische und theoretische Auseinandersetzung mit dem Beruflich-Gegenständlichen erzieht zur Sachlichkeit und zu abwägendem Denken im Beruf und persönlichen Bereich. Tugenden wie Zuverlässigkeit, Konzentration, Ausdauer, Sorgfalt, Leistungsbereitschaft und insbesondere Verantwortungs-bewusstsein sind ein besonders förderungswürdiges Anliegen dieser Schulart.

Neben dem Erwerb beruflicher und allgemeiner Kenntnisse und Fertigkeiten stehen die Bildung des Charakters, die Entfaltung der schöpferischen Kräfte sowie die Vermittlung ethischer und sozialer Werte und Verhaltensweisen.

Grundsätze der Unterrichtsgestaltung
Der Unterricht berücksichtigt die Lebens- und Erfahrungswelt ebenso wie die Berufswirklichkeit. Durch gründliche und vielseitige Betrachtungen werden neue Einsichten und Einstellungen gewonnen. Die Unterrichtsinhalte reichen dabei von handwerklich praktischen Arbeiten und dem Begreifen des Gegenständlichen bis zum geistigen Durchdringen und Ordnen der vielschichtigen Zusammenhänge der Berufswelt. Durch die wiederholte Anwendung von Arbeitstechniken und methodischen Vorgehensweisen bei der Lösung von Aufgaben wird die Fähigkeit zur Übertragung solcher Techniken und Methoden in den fachpraktischen und fachtheoretischen Fächern entwickelt. Das Anwenden und Üben systemischen Vorgehens soll das sachlogische Denken fördern.

Die in der fachpraktischen Berufsausbildung zu erzielenden Erfolgserlebnisse durch ständige und unmittelbare Beobachtung ihrer Arbeitsfortschritte und –Ergebnisse geben den Schülerinnen und Schülern Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit und die Zuversicht, durch beständiges Bemühen und Ausdauer zu Erfolgen zu gelangen. Die Freude an selbstgeschaffenen handwerklichen und berufspraktischen Arbeiten gibt Impulse, die sich in anderen Bereichen leistungsfördernd auswirken können.

Zugangsvoraussetzungen und Abschlüsse
Voraussetzung für den Zugang zu allen Berufskollegs ist der Realschulabschluss, die Fachschulreife oder ein gleichwertiger Bildungsstand. Darüber hinaus sind bei einigen Berufskollegs weitere Voraussetzungen zu erfüllen, die bei den betreffenden Bildungsgängen im Einzelnen dargestellt sind. Nach einer ein- bis dreijährigen Ausbildung endet das Berufskolleg mit einer Abschlussprüfung.

Für den Zugang in den Hochschulbereich gibt es zum Erwerb der Fachhochschulreife zwei Möglichkeiten:
+ Parallel zur Berufsausbildung im Berufskolleg über ein zusätzliches Bildungsangebot und eine Zusatzprüfung
+ im Anschluss an eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung im einjährigen Berufskolleg zum Erwerb der Fachhochschulreife

 

DER ERZIEHUNGS- UND BILDUNGSAUFTRAG DES BERUFSKOLLEGS FÜR MODE UND DESIGN

Besondere Zielsetzung
Die Ausbildung im Berufskolleg für Mode und Design fördert gestalterische Fähigkeiten und vermittelt vertiefende Kenntnisse im Bereich Mode und Design. Durch den permanenten Praxisbezug werden die Zusammenhänge zwischen Entwurf, Schnitt, Material und Realisation transparent gemacht. Eigene Entwürfe werden gestaltet und deren Umsetzung in das fertige Produkt in allen Fertigungsstufen projekthaft ausgeführt. Planen und Gestalten, Auswählen und Erproben von Verfahren und Realisieren stehen in engem Bezug zur Projektentwicklung der Bekleidungs-herstellung, die industriell oder handwerklich akzentuiert werden kann. Hierbei sind Qualität, Arbeitssicherheit, Ökologie und ökonomisches Vorgehen implizierte Leitziele.

Durch die hier erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten ist ein Einsatz in einem Bekleidungs-unternehmen im Entwurf, im Schnittbereich, in der Fertigungsorganisation, in der Prototypen-fertigung, im Verkauf und in der Auslandsproduktion möglich. Es können planerische, gestalterische und organisatorische Aufgaben innerhalb der Abteilungen übernommen werden. Das breite Spektrum beruflicher Grundlagen ermöglicht dem Assistenten/der Assistentin für Mode und Design eine Vertiefung entsprechend seiner/ihrer Begabung und bietet eine solide Basis für eine anschließende Spezialisierung in den differenzierten Bereichen der Modebranche.
Diese qualifizierte Berufsausbildung zum Assistenten für Mode und Design, gepaart mit dem freiwilligen Besuch des Zusatzunterrichts zur Erlangung der Fachhochschulreife, schafft gute Voraussetzungen für die Übernahme in die Berufstätigkeit und ermöglicht ein Studium an einer Fachhochschule.

Aufnahmeverfahren
In einer Aufnahmeprüfung werden neben den gestalterischen Fähigkeiten des Bewerbers/der Bewerberin auch die zeichnerische Ausführung und die Art der Darstellung festgestellt.
Abschluss

Die Ausbildung am Berufskolleg für Mode und Design endet mit einer schriftlichen, praktischen und mündlichen Prüfung. Nach Bestehen der Prüfung sind die Absolventen berechtigt, den Titel „Staatlich geprüfter Designer (Mode)/Staatlich geprüfte Designerin (Mode)“ zu tragen.

Profil und berufsbezogene Fächer
Ziel der kreativen Fächer des berufsbezogenen Bereichs ist es, die Schülerinnen und Schüler für das gestalterische Potenzial der Mode zu sensibilisieren, ein Bewusstsein für das Wesen der Mode im allgemeinen zu entwickeln und einen Erfahrungshaushalt für grundlegende gestalterische Prozesse, wie z.B. das Zeichnen modespezifischer Abläufe, die Anfertigung von Illustrationen, Mode- und Entwurfszeichnungen zu schaffen. Der Umgang mit Formen, Farben und Materialien und der Analyse ihres Zusammenspiels und ihrer Wechselwirkungen im Fach Modegestaltung fördert die Kreativität und sollte einerseits in einem freien, experimentellen Prozess ablaufen, anderseits dem Funktonalitätsanspruch Rechnung tragen. In Fächer verbindenden Projekten wurden Zusammenhänge zwischen Gestaltung, Entwurf, Schnitt und Realisation der Modelle entwickelt, wobei auch Material und Verarbeitungstechniken zu berücksichtigen sind. Inhalte des Faches Modezeichnen und Illustration, wie das Kennenlernen der menschlichen Figur, ihre Darstellung in der Zweidimensionalität durch Aktzeichnen und Figürliches Zeichnen in den unterschiedlichsten Ausdrucksformen, unterstützen dieses Vorhaben ebenso wie der experimentelle Umgang mit textilen Materialien. In der Erstellung und Ausführung einer kleinen Kollektion, deren Präsentation zu planen und zu organisieren ist, wirken alle Komponenten zusammen.

Im Fach Gestaltungslehre werden die Grundlagen der Gestaltungsprinzipien und Gestaltungsaspekte erworben. Bei der Lösung von bekleidungsspezifischen Gestaltungsaufgaben werden bildnerische Gesetzmäßigkeiten berücksichtigt und handwerklich-technische Fähigkeiten im Umgang mit Geräten und Gestaltungsmitteln unter ökonomischen Aspekten geübt.

Die Entwicklung der Kleidung in den verschiedenen Epochen und Kulturkreisen, geprägt durch gesellschaftliche, politische und soziokulturelle Einflüsse, wird in Design- und Kostümgeschichte aufgezeigt. Die Analyse der Vielzahl der Formen und bekleidungstechnischen Details zeigt den Wandel der Bekleidung und der Kulturgüter. Durch die weite Palette an überlieferten Vorlagen bietet sich die Möglichkeit, sie zu interpretieren, zu aktualisieren und innovativ auszuwerten.

Das Fach Schnitttechnik beinhaltet die Entwicklung von Schnitten unter Berücksichtigung von Größentabellen und Proportionen. Hierbei werden systemische Konstruktionsprinzipien angewandt. Der Schwerpunkt liegt auf exemplarischer Weiterentwicklung bis zur Produktionsreife.

In Computertechnik/CAD stehen zunächst die Grundlagen und Möglichkeiten des Computereinsatzes im Vordergrund. Der Umgang mit Anwenderprogrammen, wie Textverarbeitung und Tabellenkalkulation als Basis für das Arbeiten mit betriebsorganisatorischen Programmen sowie die Grundlagen der CAD-Technik sind unerlässlich, um den Einsatz der Computertechnik in einem Bekleidungsunternehmen zu verstehen. Die kreative Nutzung der Hochtechnologie kommt bei der Erstellung produktionsreifer Schnitte, wozu vielfältige Schnittmodifikationen, Entwicklung von Größensätzen und Schnittbildern gehören, und am Design-Arbeitsplatz zum Tragen und gehört zum Rüstzeug der Assistenten für Mode und Design.

Aufbau und Konstruktion textiler Flächen, die Behandlung ihrer Oberfläche und die daraus resultierenden Eigenschaften sind neben dem maschinenkundlichen Part wichtige Lerninhalte der Technologie. Das Verhalten der textilen Flächen beim Verarbeiten, Pflegen und Tragen, unter Einbeziehung der bekleidungsphysiologischen Gegebenheiten, wird exemplarisch untersucht. Maschinen der Zuschneide-, Näh-, Bügel- und Transporttechnik und ihre Einsatzbereiche sowie Grundlagen der Betriebsorganisation in Bezug auf innerbetriebliche Abläufe bilden das Hinter-grundwissen für die Realisation. Kenntnisse über diese Zusammenhänge sind dienlich für das verantwortungsvolle Gestalten und Entwickeln von Modellen.

Ziel des Faches Mathematik I ist die Vermittlung berufstypischer, anwendungsbezogener Rechenverfahren. Dabei sind neben mathematischen Grundlagen besonders Aufgaben zur Kostenermittlung und die rechnerische Erfassung von technischen Zusammenhängen zu lösen.

Das Fach Realisation integriert alle Phasen der Produktentwicklung sowie deren Umsetzung und Erprobung. Kenntnisse und Fertigkeiten in Maschinenbedienung und Verarbeitungsverfahren sind grundsätzliche Vorbedingungen, um brauchbare Modelle ausführen zu können und um eine Rückkoppelung auf den gestalterischen Prozess zu erreichen. Damit wird ein Zusammenhangsdenken zwischen Entwurf, Schnitt, Material und Realisation angestrebt und Verantwortung für das Produkt erzielt. So werden durch handlungsorientiertes vorgehen Selbstständigkeit und Schlüssel-qualifikationen entwickelt.

 
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