Hochschule oder Berufskolleg?
Also zusammengefasst. Man braucht kein Hochschulstudium, um ein guter Modedesigner zu werden. Was Du brauchst, ist Können, nicht Wissen!
Das ist meine ganz persönliche Meinung, die von vielen Praktikern und Unternehmen geteilt wird. Ich will damit in keiner Weise irgend jemandem die Qualifikation, die Eignung oder die Motivation absprechen. Wenn man wie ich seit Urzeiten das Geschäft kennt, darf man sich durchaus erlauben, auch mal offen und etwas burschikos darüber zu sprechen. Oder?
Es gibt ja auch Professoren, die behaupten, dass man als Modedesignerin nicht Nähen lernen muss. Ganze Schneidereien leben in mindestens einer deutschen Stadt von den Studenten, die ihnen ihre Entwürfe zum Herstellen bringen.
Meine Meinung. "Gott bewahre uns vor Sturm und Wind und vor Modedesignern, die nur Künstler sind!" Wie kann man etwas sinnvoll entwerfen, wenn man nicht weiß, wie man es realisieren (Schnitt, Zuschnitt, Nähen) soll? Ich kann mir das zusammen mit meinen Fachkollegen beim besten Willen nicht vorstellen.
Nachwuchsdesigner sollten jünger als 27 Jahre sein. Das lehren uns die Stellenangebote!
Ich entschuldige mich gleich und hier bei allen Hochschulabsolventen, die für sich in Anspruch nehmen, dass dies alles nicht stimmt und auch bei ihren Professoren, denen sich die Haare aufstellen bei so viel Unverschämtheit.
Es gibt Berufe, die kann man nur mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium ausüben. Wir kennen diese Berufe alle. Zum Beispiel als Arzt, Richter, Rechtsanwalt und leider oft auch als Professor (aber da gibt es auch Ausnahmen). Ein Modedesigner mit Staatsexamen? Warum nicht, werden viele fragen. Mit Recht. Eigentlich gibt es auch nichts zu meckern. Oder doch?
 
Also fangen wir mal an mit dem Alter.
Unternehmen wollen junge Designer, eben Junior-Designer. Wie jung ist man, wenn man ein Staatsexamen gemacht hat? Oder besser wie alt ist man? Rechnen wir mal zusammen. Abitur mit 20 + 3 (oder gar 4 oder 5 oder sogar 6) Jahre Hochschulstudium = 23 oder gar 25 Jahre? Dann ein Praktikum mit 25? Die Seniordesignerin ist 27 oder 28? Die Alternative könnte so aussehen. Mittlerer Abschluss mit 17 + 3 Jahre Modeschule = 20 Jahre? Oder 20 + 3 = 23 Jahre. Ein gutes Alter, um gute Chancen zu haben.
 
Nun spielen wir das mal durch. Der Akademiker kommt in das Team als Praktikant oder Trainee mit 25 Jahren (igitt, dafür habe ich doch nicht studiert) in das Designerteam in dem die Seniordesignerin 28 Jahre jung ist. Dort soll er die "Drecksarbeit" (Erstschnitte, Anproben, Abwandlungen) machen. Mit 25 Jahren die Füße unter anderer Leute Tisch stellen. Eine Seniordesignerin anerkennen, die keine Akademikerin ist? Sich mit 25 Jahren formen lassen? Überstunden kloppen, alles das machen, was die arrivierten Kollegen und Kolleginnen nicht machen wollen. Das ist nicht einfach. Natürlich auch nicht für eine 23-jährige Nichtakademikerin. Aber da gibt es schon Unterschiede. Wenn man als Indianer antritt, hat man andere Ansprüche als ein Häuptling.
 
Dann kommt dazu, dass Hochschulen sich wissenschaftlich definieren und darauf auch (da wo es passt zu Recht) sehr stolz sind. Modedesign ist aber keine Wissenschaft und wird es trotz heftiger Bemühungen bestimmter Leute auch nicht werden. Modedesign hat auch nur sehr bedingt mit Kunsterziehung zu tun. Modedesign ist ganz hartes Business. Modedesign heißt verkäufliche Mode machen und nicht nur (etwas kann und soll sein) rum spinnen in geiler experimenteller Mode.
 
So, und nun gibt es leider diese Typen (natürlich gibt es auch andere) von Hochschulabsolventen, die in ganz hohen Sphären schweben und furchtbar entsetzt sind, wenn sie nach jahrelangem Aufenthalt in „keimfreien Zonen" urplötzlich mit der Realität konfrontiert werden. Der leider häufig gehörte Spruch „dafür habe ich nicht studiert" ist oft nichts anderes als eine Ausrede dafür, dass man „es gar nicht kann", was da von einem verlangt wird. Vor kurzem rief eine Dame aus der Branche bei mir an und klagte über die Arroganz der Hochschulabsolventen. Diese können oft gar nichts dafür. Man hat sie so geprägt im Studium, dass sie "höher qualifiziert" seien. Oft genug können sie die einfachsten handwerklichen Fertigkeiten nicht fehlerfrei umsetzen. Oft kennen sie sämtliche CAD-Programme und können Vor- und Nachteile aufzählen, beherrschen aber nicht ein einziges.
 
Lesen sie doch mal folgendes Buch. Da wird beschrieben, wie sich Hochschulabsolventen durchs Leben bluffen. Das geht aber in unserem Beruf nicht. Da muss man jeden Tag "Butter zum Fisch" geben oder anders ausgedrückt, man muss zeigen was man kann.
 

Generation Doof: Wie blöd sind wir eigentlich?
von Anne Weiss (Autor), Stefan Bonner (Autor)

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Nacktheit in meinen Shows bezieht sich auf Reinheit und die Kraft des Körpers. Kleidung ist ein Kokon für den Körper.

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